Exkursion des Gemeinderates mit Besichtigung von Ortszentren und Supermärkten mit interessanter Architektur

[PG] Am Freitag, den 13. März fand eine Exkursion des Gemeinderats statt. In dem Tagestermin standen zahlreiche Ortszentren mit Nahversorgung und zwei Vorträge von Bürgermeistern auf dem Programm. Die Rundreise führte u.a. über Weyarn, Brixlegg, Wattens bis nach Innsbruck.

 

Das erste Ziel unserer Exkursion war Weyarn in Oberbayern. Der Ort mit seinen 1200 Einwohnern hat einen ganzheitlichen und langfristigen städtebaulichen Entwicklungsansatz. Insbesondere die Entwicklung von flexiblen Wohnflächen, welche altersgerecht und weitestgehend barrierefrei entstehen, hat interessante Perspektiven geboten. Auf einer Fläche ca. 4ha hat die Gemeinde zusammen mit einem Bauträger und Bürgerarbeitskreisen ein umfassendes

Konzept erarbeitet, welches 160 Gartenwohnungen mit großzügigen Terrassen sowie Komfort- und Galeriewohnungen mit Loggia und Balkon umfasst. In einem Zeitraum von 6 Jahren soll das Gesamtprojekt, welches in verschiedene Abschnitte aufgeteilt ist abgeschlossen werden. Es soll auch Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit bieten Eigentum zu erwerben, welche nicht zu den Spitzenverdienern gehören. Weiterer Bestandteil der Planung ist ein Supermarkt, der das Angebot an Lebensmittel vor Ort umfassend abdecken soll. Der Supermarkt wird unter den Vorgaben der Gemeinde von einem Bauträger erstellt und an Rewe vermietet. Die Gemeinde konnte durch die Vorgaben ihre Interessen wahren und Einfluss auf die Gestaltung nehmen, während der Bauträger die Umsetzung verantwortet und das Risiko trägt. Das normalerweise aufgrund der geringen Margen wenig lukrative Geschäft für den Bauträger einen Supermarkt zu erstellen wurde mit der Entwicklung der Wohnbebauung verknüpft, wodurch es für den Bauträger insgesamt interessant wurde, da er mögliche Defizite und Risiken beim Supermarkt mit der Wohnbebauung ausbalancieren konnte. Die Vorgabe der Gemeinde, den Supermarkt verträglich in das Ortsbild zu integrieren hat der Bauträger in der Form umgesetzt, dass der Supermarkt von der Ortsmitte nicht sichtbar ist, da das Massive Bauwerk komplett begrünt ist und sich harmonisch ins Gelände integriert. Von der Staatsstrasse, die ähnlich wie in Ried durch den Ort verläuft, ist der Supermarkt am Ortseingang gut sichtbar und verfügt über die entsprechenden Parkplätze.

Im Ort befindet sich ein beschaulicher Dorfladen, der das Notwendigste an Grundlebensmitteln verkauft. Hier wird besonderer Wert auf Qualität und heimische Lebensmittel gelegt. Die Betreiber haben sich aber auch sehr deutlich geäußert, dass das Ergänzungsportfolio wie Geschenke, Blumen etc. ein bedeutender Faktor beim Umsatz ist und dass der Laden durch den ausschließlichen Verkauf von Lebensmitteln nicht tragfähig wäre. Durch den Supermarkt entsteht eine nicht unerhebliche Konkurrenzsituation für den Dorfladen, der bisher im Umkreis von 10km keinen größeren Wettbewerb hatte.

Bildergalerie Weyarn

Nächster Stopp war Schleching zwischen Chiemsee und den Chiemgauer Alpen. Die Gemeinde war im Jahr 2000 Teil des Dorferneuerungsprogramms der Regierung von Oberbayern und konnte von umfangreichen Förderungen profitieren. Der Ort in der heutigen Gestaltung wird maßgeblich geprägt durch den großen Dorfplatz, der wesentliche Elemente wie Rathaus, Schule, Bushaltestelle, Krippe und das Bürgerhaus miteinander verbindet. Kinder und Bürgerinnen und Bürger können ohne Straßenüberquerung alle Gebäude sicher zu Fuß erreichen. Der Dorfplatz wurde bewusst sehr

weitläufig gestaltet, da er intensiv für Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt, Fasching, Frühlingsmarkt, Sonnenwendfeier, Dorffest und andere Vereinsfeste in der Gemeinde genutzt wird. Die Arbeitskreise zur Entwicklung der Dorfmitte haben bei der Gestaltung intensiv mitgewirkt, wodurch beispielsweise auch eine Festintegrierte Küchenstation und ein Musikpavillion Bestandteil der Planung wurden.

In Schleching bietet der Dorfladen auf 140m² den Bürgerinnen und Bürgern ein vielfältiges und preislich durchaus konkurrenzfähiges Angebot an Waren. Der genossenschaftliche Laden erfreut sich großer Beliebtheit bei den Dorfbewohnern und schrieb bereits nach 6 Monaten schwarze Zahlen. Durchaus bemerkenswert, da in nur 6 Km Entfernung zu Schleching der nächste größere Ort mit umfassender Lebensmittelnahversorgung liegt. Dies hat anschaulich verdeutlicht, wie sehr ein Dorfladen von einem guten Konzept, den Menschen die diesen betreiben und natürlich den Bewohnern abhängig ist.

Bildergalerie Schleching

Der zweite Teil unserer Exkursion hatte den Fokus auf Gestaltungsmöglichkeiten bei Supermärkten, weshalb die Reiseroute nach Österreich führte. Die in Tirol ansässige Supermarktkette M-Preis ist bekannt für ihr umfangreiches qualitativ hochwertiges Sortiment in architekturellen anspruchsvollen Gebäuden. Die Kette wurde bereits mehrfach in der Kategorie „Industrie- und Gewerbebau" prämiert und betreibt zwei von fünf Passivenergie-Supermärkten in Europa.

Dass Geschmäcker durchaus verschieden sind, zeigte das erste Objekt in Niederndorf, welches im ersten Moment von zwei Teilnehmern mit den Äußerungen „Bausünde" oder „wenn wir das bauen, können wir aus Ried wegziehen" kommentiert wurde. Das Bauwerk ist durchaus diskussionswürdig, jedoch integriert es sich unauffällig in die Landschaft und bietet im Innenraum einen hochwertigen und lichtdurchfluteten Aufenthaltsbereich.

Bildergalerie Niederndorf

Das nächste Besichtigungsobjekt lag in Brixxleg. Der sehr große Supermarkt mit Fachmarktzentrum ist nicht 1:1 auf Ried übertragbar, jedoch haben einige strukturelle Architekturelemente aufgezeigt, dass bei intelligenter Umsetzung auch auf wenig zur Verfügung stehender Fläche vieles möglich ist. Besonders hervorzuheben ist die Tiefgarage mit breiter Zufahrt und durchgängigen Tageslichtband. Die Tiefgarage bietet den Besuchern bei sehr heißem Wetter Schutz vor der Sonne und verhindert das Aufheizen des Autos, welches besonders beim Transport von Lebensmitteln sehr nachteilig sein kann. Auch im Winter oder bei Regenwetter sind die Vorteile der überdachten Parkplätze nicht von der Hand zu weisen. Auch in Ried wäre dies durch die Geländeform gut umsetzbar und würde mehr Platz für andere Elemente wie Dorfplatz oder weitere zentrumsnahe Flächen für Dienstleister bieten. Leider ist der mögliche Lebensmittelpartner in diesem Punkt etwas stur und besteht auf 80 Parkplätzen vor dem Gebäude. Selbst eine geringe Verlagerung von 30 Parkplätzen zieht er derzeit nicht in Erwägung.

Bildergalerie Brixlegg

Weiter ging es dem Inn entlang in das 30Km entfernte Wattens. Auch in diesem Supermarkt wurde eine Tiefgarage mit Tageslicht verwirklicht. Das sehr moderne Gebäude mit einer Metallvorhang-Fassade bietet wie jeder MPreis Markt ein Cafe mit Backstube. Das Cafe befindet sich dabei nicht wie bei den meisten Märkten in Deutschland im Windfang oder als Anhängsel vor dem Gebäude, sondern ist stilvoll in den Markt integriert.

Bildergalerie Wattens

Nach zahlreichen Serpentinen und vorbei an der Skisprungschanze erreichten wir unser nächstes Besichtigungsobjekt in Natters hoch über Innsbruck. Was allen sofort ins Auge stach, war das der Markt trotz der 1200m² nicht wie ein großer Block wirkte, sondern sich durch die unterbrochene Linienführung der Gebäudevorderseite unauffällig in die Umgebung einfügt. Der Supermarkt im Passivhaus-Standard hatte auch im Gebäudeinneren durch die Gestaltung der ansprechenden Decken eine sehr angenehme Atmosphäre. Interessant war das Gespräch mit der Marktleitung, die die nur 37 Parkplätz vor der Türe als absolut ausreichend bezeichnete, wodurch die Forderung von Edeka 80 Parkplätze ebenerdig vor der Türe zu haben nochmals von vielen intensiv hinterfragt wurde.

Bildergalerie Natters

Der letzte Markt lag direkt in Innsbruck. Der 1500m² umfassende Laden hat ein sehr ausladendes Dach welches den Besuchern Schutz vor schlechten Wetter bietet und bei starker Sonneneinstrahlung Schatten spendet.

FOTOGRAF Lukas Schaller

Die gewonnenen Erkenntnisse sorgten bei der Heimfahrt für reichlich Diskussion. Angeregt diskutiert wurde was sich ins Ortsbild einfügt und inwieweit eine anspruchsvolle moderne Architektur das Richtige für Ried ist, da die Ortsmitte derzeit von Friedhofskapelle Rathaus und Kirche geprägt ist. Die prämierten Industriebauten waren überwiegend in Gewerbegebieten, Randlagen oder städtisch geprägter Umgebung und haben in der Regel eine Nutzungsdauer von unter 30 Jahren. Grundsätzliches gibt es mehrere Ansätze für Ried. Ein modernes Gebäude, welches sich von allen anderen abhebt und dadurch zusätzliches Interesse der Pendler und der Einwohner in den umliegenden Gemeinden weckt oder ein zeitloses Gebäude welches sich in die Umgebung einfügt und auch noch in 30 Jahren ansehnlich ist.

Gelungenes Beispiel moderner Architektur, die sich perfekt in die Umgebung intergriert: MPREIS Matrei

 

Neben der Diskussion, ob ein Supermarkt in der derzeitig geplanten Größe für Ried überhaupt sinnvoll ist müssen wir uns beim Thema Ortsmitte wieder auf das Wesentliche konzentrieren und eine attraktive Ortsmitte gestalten, welche die Anforderungen der Bürgerinnen und Bürger bestmöglichst berücksichtigt. Dies wurde in der Zukunftswerkstatt besonders deutlich. Lebensmittelnahversorgung spielt in den meisten Köpfen nicht die tragendende Rolle sondern ist ein Element unter vielen. Bevor wir als Gemeinderat eine Entscheidung für oder gegen eine Lösung beim Thema Lebensmittelnahversorgung treffen müssen wir uns erstmal generell darüber einig werden, wo wir unsere Gemeinde hin entwickeln wollen. Bleiben wir eine Gemeinde mit 3000 Einwohnern, dann wird es vermutlich vorausschauender sein eine kleine Lösung anzustreben, da eines den Bürgerinnen und Bürgern klar sein muss. Ohne den Edeka Standort in Mering würde der Kaufmann Ried als Einzelstandort aufgrund des fehlenden Kaufkraftvolumens nicht in Erwägung ziehen und wir uns dadurch in eine nicht durch uns beeinflussbare Abhängigkeit begeben. Eine große Lösung kann nur mit umfassendem Wachstum der Bevölkerung in den nächsten Jahren einhergehen, sodass wir als Gemeinde eine kritische Masse bekommen und für Dienstleistungsbetriebe sowie Einzelhandel dauerhaft interessant werden.

Ortsmitte Ried

Neuer Vorstand bei den Freien Wählern

Neues Baugebiet in Baindlkirch

In Baindlkirch wird im nächsten Jahr ein neues Baugebiet entstehen, welches dem stetigen Beadarf an Wohnbauflächen in unserer Gemeinde hilft zu decken. ->mehr

Spende

Unterstützen Sie die Arbeit der Freien Wähler Gemeinschaft Ried e.V. mit einer Spende.

->mehr

Kontakt

Druckversion Druckversion | Sitemap
© FW Ried